THROMBOSERISIKO BEI FAKTOR V-, FAKTOR II- UND MTHF-R MUTATION
Allgemeines
Untersuchungsmaterial
Die Thromboembolie ist eine häufige kardiovaskuläre Erkrankung mit einer Inzidenz von ca. 0,1 % der Bevölkerung. Die Resistenz gegenüber aktiviertem Protein C ist bislang der häufigste bekannte erbliche Risikofaktor für ein thromboembolisches Ereignis. Die Ursache ist in der Regel auf eine Punktmutation im Faktor V-Gen (Guanin -> Adenin, Position 1691) zurückzuführen. Dadurch kann Faktor V nicht mehr inaktiviert werden und es kommt im “Gleichgewicht Gerinnung-Fibrinolyse” zu einem Übergewicht der Gerinnung mit der Folge einer erhöhten Thromboseneigung. Bei heterozygoter Ausprägung der Mutation steigt das Thromboserisiko um das ca. 7-fache an, bei homozygoter Ausprägung um das ca. 80-fache.
Neuere Studien haben gezeigt, dass neben der Faktor V-Genmutation noch andere Gendefekte mit einer erhöhten Thromboseneigung assoziiert sind: Bei einer Punktmutation in dem Faktor II-/ Prothrombin-Gen (Guanin -> Adenin, Position 20210) tritt ebenfalls eine erhöhte Gerinnungsaktivität auf, während eine Punktmutation im Enzym MTHF-R (Methylen-TetraHydro Folat-Reduktase) eine Hyperhomocysteinämie nach sich ziehen kann. Diese interferiert mit Gerinnungsprozessen und erhöht ebenfalls die Thromboseneigung. Im Gegensatz zur Faktor V-Genmutation ist die Faktor II-Genmutation sowohl mit venösen als auch mit arteriellen Thrombosen assoziert. Betroffene Patienten haben bei heterozygoter Ausprägung ein ca. 3-fach erhöhtes Thromboserisiko gegenüber der Normalbevölkerung. Neben ihrer Bedeutung als unabhängige Risikofaktoren für ein thromboembolisches Ereignis scheint die Kombination der Faktor V-Mutation mit der Faktor II-Mutation und / oder MTHFR-Mutation ein besonders hohes Thromboserisiko darzustellen. Deshalb ist es sinnvoll, bei bekannter Faktor V-Mutation die Untersuchung auf Faktor II- und / oder MTHF-R-Mutation auszudehnen. Bei Thrombosen unklarer Genese und negativen Ergebnisses der Faktor V-Mutation kann die Untersuchung auf Faktor II und / oder MTHF-R-Mutation bei der Ursachenklärung helfen.
5 ml Citratblut (grünes Röhrchen) oder EDTA-Blut Aus diesem Material können gleichzeitig das Faktor-V-, Faktor II- und MTHF-R-Gen bestimmt werden
Klinische Bedeutung
Die Mutation im Faktor-V-Gen findet sich bei ca. 18% der Patienten mit durchgemachter Thrombembolie und bei ca. 3% der Kontrollpersonen. Vergleichbare Zahlen gelten auch für die Mutation im Faktor II-Gen. Patienten mit den genannten Genmutationen erleiden Thrombosen und/oder Lungenembolien eher in jüngerem Alter. Die Einnahme oraler Kontrazeptiva erhöht bei Frauen mit genetischer Prädisposition das Risiko für Thromboembolien um das ca. 30-fache.
Indikation zur Bestimmung der Thromboserisikofaktoren
Thromboembolien in jüngerem Lebensalter
rezidivierende Thrombosen unklarer Genese
Anwendung oraler Kontrazeptiva bei Verdacht auf Prädisposition (Anamnese!)
familiäre Häufung von Thrombosen oder Thromboembolien